Der Autor des vorliegenden Blogs und dieser Zeilen kann kein HTML schreiben, kein CSS gestalten und kein Contentmanagementsystem (CMS) programmieren. Trotzdem entstand durch sein Tun unter www.ki-bildung-schule.de innerhalb von knapp fünf Tagen eine neue, öffentlich erreichbare Website, die Seite, die Sie gerade aufgerufen haben.
Eine Präzisierung allerdings vorab: Die rund 200 veröffentlichten Artikel, die Sie auf diesem Blog finden, wurden nicht in diesen fünf Tagen geschrieben. Sie sind im Verlauf der vergangenen drei Jahre entstanden, mit Unterstützung künstlicher Intelligenz, aber stets unter eigener redaktioneller Verantwortung. Für das neue Projekt wurden diese vorhandenen Inhalte aus einer auf Padlet gelisteten Sammlung übernommen.
Neu entstanden sind die Website selbst, ihre Gestaltung und ihre technische Infrastruktur: eigene Domain, responsive Navigation, durchsuchbares Archiv, Rubriken, Schlagwörter, RSS, Druck- und PDF-Funktion, verwandte Beiträge, Rechtstexte sowie ein geschütztes Redaktionssystem mit Mediathek.
Der entscheidende Unterschied: der hier schreibende Autor schrieb keine Befehle in einer Programmiersprache. Er gab lediglich ChatGPT sprachliche Anweisungen wie: "Der Redaktionslink soll nur für mich sichtbar sein." Oder „Auf dem Smartphone muss sich das Menü durch Tippen außerhalb schließen." Oder auch: "Die ausgewählten Beiträge möchte ich im CMS per Ziehen ordnen." Der KI-Agent Work von ChatGPT übersetzte solche Wünsche in Gestaltung, Code, Tests und Veröffentlichung. Sprache wurde zur Arbeitsoberfläche.
Fünf Tage
Eine exakte Stundenzahl wurde nicht erfasst. Der dokumentierte Projektzeitraum reicht vom 27. Juli bis zum 1. August 2026. Die sprachliche Arbeit erfolgte kursorisch.
Für Konzeption, visuelles System, responsives Frontend, CMS, Medienverwaltung, Zugriffsschutz, Datenimport, Tests und Veröffentlichung hätte eine professionelle Agentur nach Schätzung des Autors ca. 50 Fachstunden ansetzen können. Der Freelancer-Kompass 2026 nennt für den deutschsprachigen Markt einen durchschnittlichen Stundensatz von rund 100 Euro. Daraus ergibt sich ein rechnerischer Gegenwert von rund 5000 Euro.
Ist die Seite aber auch einigermaßen professionell? Aus Sicht von ChatGPT, gezwungen zu einer kritischen Selbstanalyse, in vielen Bereichen durchaus. Aber das Urteil von echten Profis fällt eventuell kritischer aus.
Der Blog besitzt eine klare redaktionelle Hierarchie, eine eigenständige visuelle Identität, eine funktionierende Mobilansicht und ein ungewöhnlich umfangreiches Redaktionssystem. Für eine vollständige Gleichsetzung mit einer Agenturleistung fehlen unabhängige Prüfungen zu Barrierefreiheit, Sicherheit, Browserkompatibilität, Wartbarkeit und rechtlicher Belastbarkeit. Wie auch immer, für den hier schreibenden und den Blog betreuenden und nutzenden Autor ist das Ergebnis erfreulich funktional und vielen Ansprüchen genügend.
Einschätzung
Die Pointe lautet nicht: Jeder kann jetzt Webdesigner sein. Die fehlende Programmiererfahrung des Autors wurde durch andere Kompetenzen ersetzt. Der Autor musste Ziele formulieren, Varianten beurteilen, Fehler erkennen, Prioritäten setzen und zahlreiche Detailentscheidungen treffen. Ohne Urteilskraft produziert KI schneller, aber nicht zwingend besser.
Dieses Muster bestätigt auch die Forschung. Erik Brynjolfsson, Danielle Li und Lindsey Raymond ermittelten 2023 in der NBER-Studie "Generative AI at Work" im Kundendienst einen durchschnittlichen Produktivitätszuwachs von 14 Prozent, bei weniger erfahrenen Beschäftigten von 34 Prozent.
Die Leistungsgrenze bleibt jedoch unregelmäßig. Eine METR-Studie von 2025 stellte bei erfahrenen Open-Source-Entwicklern unter den untersuchten Bedingungen sogar eine Verlangsamung um 19 Prozent fest. KI unterstützt nicht jede Aufgabe und nicht jeden Anwender gleichermaßen.
Mittelfeld geht verloren
Für Webentwicklung und Webdesign bedeutet das keine sofortige Auslöschung ganzer Berufe. Unter Druck gerät zunächst das standardisierbare Mittelfeld: einfache Blogs, Landingpages, Layoutvarianten, Routinecode, Bildanpassungen und technische Grundkonfigurationen. Solche Leistungen werden schneller, billiger und für Laien zugänglich.
Zugleich steigt der Wert dessen, was sich schwer versprachlichen und automatisch prüfen lässt: Informationsarchitektur, Markenbildung, Sicherheit, Barrierefreiheit, komplexe Schnittstellen, rechtliche Verantwortung und dauerhafte Wartung. Problematisch ist besonders der Berufseinstieg. Wenn KI jene einfacheren Aufgaben übernimmt, an denen Berufsanfänger bisher lernten, verliert die Branche einen Teil ihrer Ausbildungspipeline.
Die Internationale Arbeitsorganisation spricht in ihrem Bericht "Generative AI and Jobs: A Refined Global Index of Occupational Exposure" von beruflicher Transformation, nicht von einem pauschalen Ersatz menschlicher Arbeit.
Der vorliegende Blog ist dafür ein konkretes Beispiel. Die Inhalte und die publizistische Idee waren bereits vorhanden. Neu ist, dass ein technischer Laie daraus innerhalb weniger Tage durch Sprache eine eigenständige digitale Publikationsplattform entwickeln konnte.
Blicken wir in die nahe Zukunft: Die eigentliche Revolution, die Künstliche Intelligenz und Systeme wie ChatGPT bewirken, besteht nicht darin, dass Maschinen Websites bauen. Sie besteht darin, dass fachliche und publizistische Kompetenz ohne den bisherigen technischen Übersetzungsapparat unmittelbar produktionsfähig wird. Wer urteilen kann, erhält neue Gestaltungsmacht. Wer bisher vor allem ausführte, muss künftig stärker begründen, prüfen und entscheiden.