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KKI, Bildung und Schule

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Schulpraxis

Googles neuer KI-Modus: Suchen wird Forschen

Von Volker Wacker

Google startet in Deutschland den neuen KI-Modus in der Suche - eine Art Dialog-Rechercheinstrument mit KI-Zusammenfassungen, Quellenverweisen und Folgefragen.

Abbildung 1 zum Beitrag "Googles neuer KI-Modus: Suchen wird Forschen"

Google startet in Deutschland den neuen KI-Modus in der Suche - eine Art Dialog-Rechercheinstrument mit KI-Zusammenfassungen, Quellenverweisen und Folgefragen. Für Lernende und Lehrende eröffnet sich damit ein mächtiges Werkzeug - doch es bringt Risiken für die Medienlandschaft, für Quellenkompetenz und für das Suchmodell selbst.

Der KI-Modus: Was ist das eigentlich?

Der KI-Modus (auch "AI Mode" in Google Search) ist eine neue Ansicht der Google-Suche, in der Nutzer nicht nur eine Trefferliste sehen, sondern zunächst ein strukturierteres Antwort-Briefing, das aus mehreren Quellen aggregiert ist. Man kann weiter nachfragen - ohne die Startseite zu verlassen - und so die Recherche dialogisch vertiefen.

Das zugrundeliegende Modell basiert auf einem modifizierten Gemini-Modell, das speziell für die Suchaufgabe optimiert wurde. Es zerlegt komplexe Fragen (zum Beispiel "Wie beeinflusste der Wiener Kongress Europa?") in Teilfragen - recherchiert parallel im Web - und liefert ein kohärentes Antwortpaket mit Quellenlinks.

Parallel existieren weiterhin die sogenannten AI Overviews: Kurzantworten, die direkt in der klassischen SERP (Such­ergebnisseite) erscheinen. Der KI-Modus ist dagegen ein eigener Tab für vertiefte Recherchen.

  1. Lohnt sich das? Stärken und Schwächen

Stärken:

  • Zeitersparnis beim Einstieg: In kürzester Zeit erhält man ein kompakteres, thematisch gegliedertes Ergebnis mit Quellenangaben - ideal, um sich in unbekannte Themen einzuarbeiten.
  • Dialogische Vertiefung: Durch Anschlussfragen lässt sich das Thema Schritt für Schritt ausbauen.
  • Ortsunabhängig & multimodal: Man kann Bildfragen stellen (z. B. "Was zeigt diese Karte?"), Spracheingabe nutzen etc.
  • Quellenverknüpfung: Anders als manche "Black-Box-KI" liefert Google Belege + Links zur Überprüfung.

Schwächen:

  • Fehleranfälligkeit: KI-Modelle erzeugen nicht selten Ungenauigkeiten, Interpretationsfehler oder Auslassungen - Google selbst warnt, Quellen zu prüfen.
  • Reduktion auf Kompakte Antworten: Nutzer könnten sich mit dem KI-Briefing zufriedengeben und keine Originaltexte öffnen.
  • Verzerrte Auswahl: Der algorithmische Auswahlprozess kann Bias, Filterblasen oder Redundanz forcieren.

In Summe: Der KI-Modus ist mächtig - wenn man als Nutzer diszipliniert bleibt und das Briefing nur als Sprungbrett versteht und, wie man es stets machen sollte, die Ergebnis eigenständig überprüft.

  1. Was heißt das für Googles Geschäftsmodell?

Die Verschiebung zur KI-basierten Suche hat erhebliche Implikationen:

  • Weniger Klicks, mehr Verweildauer bei Google: Wenn Antworten direkt auf der Seite generiert werden, sinkt der Bedarf, auf externe Seiten zu klicken. Das kann die Traffic-Ströme für Verlage und Content-Produzenten stark beeinflussen.
  • Werbeplatzierung in KI-Ansichten: Google bringt bereits Anzeigenformate in AI Overviews und plant, Werbung auch im KI-Modus unterzubringen - verbunden mit den bestehenden Ad-Kampagnen (Search, Shopping etc.).
  • Zugangskontrolle über KI-Schnittstellen: Google könnte künftig Inhalte via KI-Steuerung priorisieren oder exklusive Inhalte in KI-Ansicht belohnen.
  • Antitrust & Regulierung: Medienhäuser und Verlage üben seit längerem Kritik - in Europa sind Beschwerden und Untersuchungen im Gange, weil KI-Zusammenfassungen Traffic abschöpfen könnten.

Kurz gesagt: Google könnte sich in Richtung eines Antwortportals entwickeln - nicht mehr primär eine Linkmaschine, sondern ein selbstproduzierter Wissensdienst mit Monetarisierung via KI-Oberflächen.

  1. Wie Google mit den KI-Ergebnissen umgeht

Der Verarbeitungsprozess lässt sich in vier Phasen gliedern:

  • Zerlegung der Anfrage (Query Fan-Out): Eine komplexe Frage wird in mehrere Teilfragen aufgesplittet.
  • Parallele Websuche & Aggregation: Jede Teilfrage wird parallel durchsucht, relevante Dokumente (Artikel, Studien, Webseiten) werden identifiziert.
  • Synthese & Antwortgenerierung: Das Modell fasst die Informationen zusammen, gewichtet Quellen, verhindert Redundanz und strukturiert das Ergebnis.
  • Quellenverknüpfung & Ausgabe: Jeder Abschnitt wird mit Quellen-URLs unterlegt. Die Nutzer:in kann anklicken, nachhaken, vertiefen.

Wichtig: Die KI-Antwort ist nicht das Ende, sondern der Einstieg. Der Nutzer soll die Quellen öffnen, auf Originale schauen und kritisch reflektieren.

Google nutzt dabei weiterhin seine Ranking-Signals, Trust-Signale, den Knowledge Graph und Feedback-Daten, um Qualität, Relevanz und Aktualität zu prüfen.

Außerdem: Interaktionen mit dem KI-Modus (z. B. Ob eine Quelle angeklickt wird, wie Folgefragen formuliert sind) fließen anonymisiert zurück in Modelloptimierung - ähnlich wie bei Suchlogs üblich.

  1. Braucht man dann noch Gemini? Und wie passt ChatGPT dazu?

Google gliedert seine KI-Produkte funktional:

  • Gemini (als App / Deep Research Tool): für längere Arbeitsaufgaben, Reports, Dokumentenimport, kollaboratives Arbeiten.
  • KI-Modus: als Recherche-Front-End innerhalb von Google Search - spezialisiert auf Webquellen, Quellenverweise, Follow-Ups.
  • ChatGPT / vergleichbare KI-Assistenten: ideal zur Inhaltsverarbeitung, Strukturierung, didaktischen Aufbereitung, Stilierung - nicht primär zur Websuche.

Ob und wie man KI-Modus mit ChatGPT kombiniert:

  • Man lässt den KI-Modus Quellen liefern, öffnet diese dann manuell - und übergibt sie (Auszüge, JSON, Text) an ChatGPT zur Strukturierung, Gliederung, Formatumwandlung oder Unterrichtsvorbereitung.
  • Eine direkte API-Integration von Google KI-Modus in ChatGPT existiert aktuell nicht. Google positioniert stattdessen Gemini-APIs mit Grounding per Google Search als Zugang für Drittanwendungen.
  1. Folgen für Bildung, Unterricht & Recherche

Für Lehrkräfte

  • Effizienz-Gewinn in der Vorbereitung: Mit dem KI-Modus lassen sich in Kürze Themenübersichten + wichtige Quellen generieren. Die Lehrkraft wird mehr Kuratorin / Korrektorin als reine Inhaltsproduzentin.
  • Gezielte Aufgabenformulierung: Gute Fragen führen zu besseren KI-Antworten - das Thema Frageschärfung wird zentral.
  • Kontrolle & Reflexion: Lehrkräfte müssen Schülerinnen und Schüler dazu anleiten, nicht das KI-Briefing zu übernehmen, sondern kritisch mit Quellen umzugehen.

Für Schülerinnen und Schüler

  • Tieferes Rechercheverständnis: Der KI-Modus ersetzt nicht die Quelle - er ist Einstieg, nicht Endpunkt.
  • Quellenkompetenz bleibt zentral: Trotz KI: Öffne Originale, vergleiche, prüfe Widersprüche.
  • Eigenes Urteil üben: Aus Briefing + Quellen eigene Schlussfolgerung ableiten, nicht übernehmen.

Didaktische Empfehlungen

  • "KI-Modus als Einstieg" in Rechercheaufträge: Der Rest der Bearbeitung liegt bei Studierenden - Auswertung, Kritik, Interpretation.
  • Quellenmatrix oder Bewertungsraster als Pflicht: Jede KI-Aussage muss eine Primärquelle oder Fachquelle belegen.
  • Hybridaufträge: Erst KI-Modus, dann klassischer Suchfilter (&udm=14) - damit Studierende beide Seiten kennenlernen.