Viele KI-Infografiken scheitern nicht am Thema. Sie scheitern an den Symbolen.
Wer einen Bildgenerator nur bittet, "schöne Symbole" oder "passende Icons" zu verwenden, bekommt fast immer dasselbe Arsenal: Glühbirne, Zahnrad, Pfeil, Waage, Globus, Buch, abstrakte Menschenfigur. Das sieht ordentlich aus, aber beliebig. Es erklärt wenig. Es könnte zu jedem Thema gehören.
Bessere Infografiken entstehen anders. Man sollte nicht sofort das fertige Plakat erzeugen lassen, sondern zuerst mit ChatGPT die visuelle Sprache kuratieren. Also klären: Welche Bildmotive passen wirklich zum Thema? Welche Symbole tragen einen Gedanken? Welche Ästhetik soll das Ganze haben? Und welche Standardzeichen sollen ausdrücklich vermieden werden?
Der entscheidende Schritt liegt vor der Bildgenerierung. Statt zu schreiben:
"Erstelle mir eine Infografik mit schönen Symbolen."
ist es wirksamer, zuerst zu fragen:
"Entwickle mir für diese Infografik eine kuratierte Symbolsprache mit acht visuellen Leitmotiven. Keine Standard-Icons. Jedes Symbol soll aus dem Thema abgeleitet sein und kurz begründet werden."
Erst danach folgt der eigentliche Bildprompt.
Bei historischen Themen kann das zum Beispiel heißen: nicht "Widerstand" mit einer Faust darstellen, sondern mit einem beschädigten Verwaltungsformular, einer versteckten Flugschrift, einem geöffneten Karteikasten, einer unterbrochenen Eisenbahnlinie oder einem verbotenen Zeitungsblatt. Solche Motive sind konkreter. Sie erzählen etwas. Sie zwingen die KI, aus dem Stoff heraus zu gestalten, statt auf den üblichen Icon-Fundus zurückzugreifen.
Wichtig ist auch die ästhetische Steuerung. Gute Prompts beschreiben nicht nur das Thema, sondern den visuellen Stil:
"hochwertige Editorial-Infografik" "visuelle Sprache eines modernen Geschichtsmagazins" "reduzierte, elegante Vektorillustrationen" "keine Clipart-Optik, keine Emoji-Ästhetik, keine Business-Icons" "einheitliche Symbolwelt, feine Linien, ruhige Farbflächen, seriöse Magazinoptik"
Ebenso wichtig sind Verbote. KI-Systeme greifen gern auf häufige Muster zurück. Deshalb sollte man Standardsymbole ausdrücklich ausschließen: Glühbirnen, Zahnräder, Raketen, Häkchen, Megafone, Puzzle-Teile, abstrakte Personen-Icons und beliebige Pfeile.
Für Unterrichtsplakate kommt noch ein Kriterium hinzu: Lesbarkeit. Symbole müssen aus zwei Metern Entfernung erkennbar sein. Sie dürfen nicht dekorativ im Rand verschwinden. Jedes Symbol braucht eine Denkfunktion.
Der beste Workflow ist daher zweistufig:
Zuerst wird die Symbolsprache entwickelt. Danach wird die Infografik gebaut.
Das kostet wenige Minuten mehr, verbessert aber die Qualität deutlich. Die KI arbeitet dann nicht mehr wie ein automatischer Icon-Lieferant, sondern wie ein visueller Redakteur. Sie bekommt eine Bildlogik, bevor sie Bilder erzeugt.
Ein guter Standardprompt für den ersten Schritt lautet:
"Entwickle für eine Infografik zum Thema [Thema einsetzen] eine kuratierte Symbolsprache mit acht visuellen Leitmotiven. Vermeide generische Icons wie Glühbirnen, Zahnräder, Häkchen, Raketen, Megafone, Puzzle-Teile, abstrakte Personen-Icons und beliebige Pfeile. Die Symbole sollen thematisch präzise, didaktisch lesbar und ästhetisch einheitlich sein. Beschreibe zu jedem Symbol: Motiv, Bedeutung, Einsatzort in der Infografik und kurze Begründung."
Erst wenn diese Symboltabelle steht, sollte man das Plakat generieren lassen.
Gute Infografiken entstehen nicht durch hübsche Icons. Sie entstehen durch kuratierte Zeichen.