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KKI, Bildung und Schule

Vollständige Artikelfassung

KI im Unterricht

LuL: De-Implementierung

Von Volker Wacker

Schulentwicklung

Abbildung 1 zum Beitrag "LuL: De-Implementierung"

Schulentwicklung

Nachstehende Ausführung beruhen auf der Analyse folgender Literatur:

Wisniewsk, Benedikt/ Gottschling, Barbara: Weniger macht Schule. Wie De-Implementierung schulische Freiräume schafft. Stuttgart 2025.

Wisniewsik, Benedikt: Was Schulen fehlt, ist der Mut zum Weglassen

(https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/was-schulen-fehlt-ist-der-mut-zum-weglassen/)

Vgl. https://www.swr.de/wissen/benedikt-wisniewski-lieber-weniger-statt-mehr-machen-das-konzept-der-de-implementierung-100.html

Vgl. auch John Hattie zu De-Implementierung in einem Pdcast von Benedikt Wisniewski: https://open.spotify.com/episode/7CL02At901rVFQLmGxejyF? si=G8jHnJOFQ8aS1QZ-bunTdQ

Einleitung

Seit Jahrzehnten versucht die Schulentwicklung in Deutschland, die Qualität von Bildungseinrichtungen durch immer neue Programme, Konzepte und Maßnahmen zu verbessern. Dennoch belegen empirische Studien, dass sich sowohl die schulischen Leistungen als auch die psychische und physische Gesundheit der Lehrkräfte in den letzten zehn Jahren signifikant verschlechtert haben. Der Grund liegt in einer Strukturlogik, die auf additive Erweiterung setzt: Mehr Programme, mehr Anforderungen, mehr Bürokratie - jedoch kaum gezielte Überprüfung der Wirksamkeit. Das Konzept der De-Implementierung, entwickelt und popularisiert durch Autoren wie Benedikt Wisniewski und Barbara Gottschling, stellt hier einen innovativen Gegenentwurf dar: Nicht das "Mehr", sondern das gezielte Weglassen unnötiger oder gar schädlicher Praktiken soll zur Entlastung und Qualitätssteigerung im Schulsystem beitragen. Es geht um gezielte Reduzierung und die Gewinnung von Allokationen für Praktiken, die evidenzbasiert, empirisch gesichert wirksam sind, und dies mit Konzentration auf den Kernbereich von Schule, den Unterricht, dessen Ziel es sein sollte, die Lernenden nachweisbar und nachhaltig Wissen und Kompetenzen zu vermitteln, die sie für ihre weitere Ausbildung, im Beruf und im Leben benötigen.

  1. Hintergrund: Das Scheitern der additiven Logik

Die empirischen Daten aus PISA-, IQB- und anderen Studien zeichnen ein klares Bild: - Die Lernleistungen von Schülerinnen und Schülern sinken. - Psychische Belastungen bei Lehrkräften und Schülern steigen. - Der Lehrkräftemangel verschärft sich drastisch.

Trotz zahlloser Reformen und Innovationen bleibt der Bildungserfolg aus. Ein zentrales Problem ist die additive Struktur der Reformen: Jedes neue Problem wird durch eine neue Maßnahme adressiert, ohne bestehende Aufgaben zu streichen oder abzubauen. So kumulieren sich Anforderungen, Belastungen und Ineffizienz. Psychologische Studien zeigen: Menschen neigen systematisch dazu, Probleme durch Hinzufügen und nicht durch Weglassen lösen zu wollen. Dieses tief verankerte kognitive Muster prägt auch das Bildungssystem.

  1. RAST

Als Handlungsmodell zur Umsetzung von De-Implementierungen kann das Modell RAST dienen:

R: Reduzieren

A: Austauschen

S: Stoppe

T: Transformieren

  1. Strukturelle, kulturelle und motivationale Hürden

Die Umsetzung von De-Implementierung trifft jedoch häufig auf massive Widerstände: - tief verwurzelte Routinen blockieren Veränderungen. - fehlende Muster echter Kooperation. - komplexe bürokratische Strukturen

  • behördliche und systemische Vorgaben

Hinzu kommen kulturelle Verzerrungen: Die Arbeitsleistung von Lehrkräften wird oft nicht anhand von Ergebnissen, sondern anhand des Aufwandes beurteilt. Das Schulsystem belohnt Engagement, nicht Effizienz. Subtraktive Strategien erscheinen unpopulär, obwohl sie in vielen Fällen der wirksamere Weg wären.

  1. Warum 'Mut zum Weglassen' entscheidend ist

Wisniewski und Gottschling fordern einen Paradigmenwechsel: Nicht mehr und mehr tun, sondern kritisch hinterfragen, was überhaupt wirkt. Das bedeutet: - Nur evidenzbasierte Praktiken beibehalten. - Ballast erkennen und entfernen. - Ressourcenschonend arbeiten, ohne Qualitätseinbußen.

Typische Beispiele für geänderte Praktiken nach De-Implementierung - Verzicht auf Totalkorrektur von Schülertexten soweit rechtlich möglich - Arbeitsteilige gemeinsame, statt rein individuelle Materialerstellung - Anpassung von Aufgabenmaterial: Abbau nicht-evidenzbasierter Differenzierung - Reduzierung außerunterrichtlicher Aktivitäten - Reduzierung von Konferenzen mit reinem Verlautbarungscharakter

  • Smarte Projekte mit konkreten Ergebnissen statt pseudo-partizipatorische Palaverrunden (wir sollten tun, man müsste tun, aber keiner tut was aufgrund der damit verbundenen Mehrarbeit, wobei die Sitzung schon unnötige Mehrarbeit bedeutete)

Weglassen bedeutet nicht Qualitätsverzicht, sondern eine Fokussierung auf wirklich wirksame Maßnahmen.

  1. Praktische Tipps
  • Für jede neue Maßnahme wird eine alte gestrichen. - Additive Strategien werden systematisch vermieden. - Evidenzbasierte Evaluation ist Pflicht vor und nach der Einführung neuer Konzepte. - Effizienz statt Aktionismus wird zum neuen Qualitätskriterium.

Fazit: De-Implementierung als Chance

Nach Jahrzehnten ständiger Expansion schulischer Aufgaben ist ein radikales Umdenken erforderlich: Schule braucht den Mut zum Weglassen. De-Implementierung ist mehr als eine Technik: Sie ist eine Kulturveränderung. Nur durch gezielte Reduktion, kritische Reflexion und evidenzbasierte Steuerung können Qualität und Effizienz gesteigert und die Belastungen aller Beteiligten nachhaltig gesenkt werden.

Der entscheidende Paradigmenwechsel lautet: Nicht mehr tun, sondern durch weniger mehr bewirken.

Zur Rolle von Künstlicher Intelligenz für eine evidenzbasierte De-Implementierung im Schulsystem

Einleitung

Die bisherigen Konzepte rund um De-Implementierung - etwa das systematische Streichen unwirksamer oder ressourcenintensiver schulischer Praktiken - beruhen stark auf menschlicher Urteilsbildung, empirischer Bildungsforschung und individueller Reflexion. Was bisher fehlt: ein umfassender Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI), um De-Implementierungsprozesse effizienter, präziser und objektiver zu unterstützen.

KI kann dabei helfen, zentrale Herausforderungen der De-Implementierung besser zu bewältigen: - Evidenzbasierung stärken, - Ressourcenverbrauch analysieren, - Wirksamkeit von Projekten evaluieren, - ineffiziente Praktiken identifizieren und reduzieren.

  1. KI für die Evidenzbasierung pädagogischer Projekte

KI bietet gewaltige Potenziale: - Automatisierte Wirkungsanalyse großer Datenmengen. - Vergleich von pädagogischen Interventionen anhand realer Ergebnisse. - Frühwarnsysteme bei ineffektiven oder schädlichen Maßnahmen. - Datengetriebene Empfehlungen für die De-Implementierung.

  1. KI für die Reduzierung und Optimierung von Projekten

Mit KI wird die Reduzierung von Projekten systematisch: - Projektkostenanalyse: Aufwand, Kosten und Nutzen im Vergleich. - Priorisierung von Maßnahmen nach ihrem Lerngewinn pro Ressourceneinheit. - Simulationsmodelle für Auswirkungen von Projektstreichungen.

  1. KI für den Verzicht auf ressourcen- und zeitfressende Praktiken

KI hilft, ineffektive Routinen abzubauen: - Automatisierte Korrekturunterstützung spart Zeit. - Optimierung der Unterrichtsvorbereitung durch Materialvorschläge. - Effizienzbewertung von Unterrichtsprozessen.

  1. Übergeordnete Chancen: Strategische Steuerung und Kulturwandel
  • Transparenz über Aufwand und Wirkung. - Entlastung der Lehrkräfte von Evaluationsarbeiten. - Objektivierung von De-Implementierungsentscheidungen. - Förderung einer Kultur des evidenzbasierten Weglassens.

Fazit

Künstliche Intelligenz kann zum wichtigsten Verbündeten der De-Implementierung werden: - Schneller, präziser und fairer entscheiden. - Ressourcen effizienter nutzen. - Lehrkräfte entlasten. - Bildungschancen verbessern.