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KKI, Bildung und Schule

Vollständige Artikelfassung

Bildungspolitik

Weg mit privaten Endgeräten

Von Volker Wacker

Raus mit schülereigenen Smartphones und Tablets

Raus mit schülereigenen Smartphones und Tablets

Ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Statistiken: Eine Schülergruppe soll die Kreuzzüge wiederholen - und spielt stattdessen Fussball auf dem Smartphone. Der Schweizer Lehrer und Publizist Andreas Fannin schildert diese Szene in der Neuen Zürcher Zeitung vom 15. September 2025. Was harmlos wirkt, offenbart eine Wahrheit, die auch für deutsche Schulen gilt: Private digitale Geräte im Klassenzimmer sind keine Hilfe - sie sind das Einfallstor für Ablenkung, Suchtverhalten und die permanente Auflösung von Grenzen.

Die Befunde sind eindeutig. Schon die bloße Anwesenheit eines Smartphones mindert die Konzentration. Digitale Reize aktivieren das Belohnungssystem, sie trainieren auf schnelle Befriedigung, nicht auf Ausdauer oder Reflexion. Wer Jugendlichen mit zwölf, dreizehn oder fünfzehn Jahren zumutet, sich gegen diesen Sog zu behaupten, verlangt Unmögliches. Der Vergleich zu Suchtmitteln ist berechtigt: Vor Alkohol und Nikotin schützt der Staat - vor exzessiver Bildschirmzeit aber nicht.

Deutschland kennt dieselben Symptome wie die Schweiz. Mit der Pandemie hat die Digitalisierung Fahrt aufgenommen, oft ohne pädagogischen Mehrwert. Arbeitsblätter werden nicht mehr verteilt, sondern als PDFs hochgeladen, um modern zu wirken. Für Jugendliche bedeutet das: Schule und Freizeit fließen ineinander. "In der Schule ist das Private nur einen Klick entfernt, zu Hause die Schule" - dieser Satz eines Schülers, den Fannin zitiert, gilt diesseits wie jenseits des Rheins.

Die Antwort kann nicht sein, alles auf Eigenverantwortung abzuwälzen. Pädagogik heißt, Schutzräume zu schaffen - zumindest bis zum Ende der Sekundarstufe I. Schulen in Deutschland sollten deshalb eine klare Regel ziehen: Bis Klasse zehn gehören private Smartphones und Tablets aus dem Unterricht verbannt.

Andere Länder zeigen den Weg: Schweden setzt wieder auf Bücher, Schweizer Kantone wie Wallis und Aargau haben Smartphones flächendeckend verboten. Warum also nicht auch in Deutschland? Kultusministerien, die gerade Milliarden in Digitalisierungsprogramme stecken, müssen den Mut haben, Grenzen zu ziehen. Ja zur Medienbildung, ja zu kritischer Reflexion digitaler Technologien - aber auf schuleigenen, streng konfigurierten Geräten.

Alles andere hieße, die Augen vor der Realität zu verschließen.

Daher und aus eigener Erfahrung als Lehrkraft empfehle ich jeder Schule, durch Beschluss bis Ende Sekundarstufe I die Nutzung von privaten digitalen Endgeräten, nicht nur auf dem gesamten Schulgelände ausnahmslos zu untersagen, sondern auch im Unterricht lediglich die phasenweise und stets von der Lehrkraft verfügte Nutzung von schulisch kontrollierten digitalen Endgeräten zuzulassen. BYOD ist damit erst in der Sek II möglich.