Medien & Gesellschaft

Bitte abschalten!

Von Volker Wacker

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Warum der Feed uns nicht verbindet, sondern trennt

Warum der Feed uns nicht verbindet, sondern trennt

Der digitale Dorfplatz ist leergefegt; an seine Stelle ist eine algorithmische Schleuse getreten. Der Feed sortiert nicht nach Zuneigung, er kalkuliert nach Ertrag. Gerade einmal sieben Prozent der Inhalte stammen noch von Menschen, die wir kennen - alles andere ist Rauschen. Was relevant erscheint, bestimmt nicht mehr das Herz, sondern eine Blackbox im Silicon Valley.

Das Resultat ist eine paradoxe Einsamkeit: Wir sind vernetzt mit allem, aber verbunden mit nichts. Aus harmloser Neugier wird so schleichender Zwang; das nächtliche Wischen endet oft erst, wenn die Augen brennen. Nun zieht die Politik die Notbremse: Australien sperrt die Jugend aus, Europa droht mit hohen Strafen, Amerika klagt.

Das ist gut gemeint, aber zu spät. Längst formiert sich eine stille Avantgarde, die das permanente Blinken einfach ignoriert. Denn was nicht klingelt, kann nicht befehlen; was in der Schublade liegt, herrscht nicht.

Wir müssen abschalten, um uns wiederzufinden - denn das wahre Leben hat keinen Algorithmus.

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