Essay & Kritik

Intelligenz des Nutzers macht den Unterschied

Von Volker Wacker

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Künstliche Intelligenz, Nachrichtenkompetenz und die Frage nach der richtigen Nutzung

Künstliche Intelligenz, Nachrichtenkompetenz und die Frage nach der richtigen Nutzung

Künstliche Intelligenz unverlässlich?

Künstliche Intelligenz wird zunehmend zur bequemen Wissensquelle. Wir fragen ChatGPT, Copilot oder Perplexity nach politischen Entscheidungen, internationalen Konflikten, wissenschaftlichen Zusammenhängen. Sie fassen zusammen, ordnen ein und ersetzen damit schrittweise klassische Suchmaschinen. Doch wie verlässlich sind diese Antworten?

Diese Frage hat die Europäische Rundfunkunion (EBU) in ihrer Studie "News Integrity in AI Assistant (pdf) untersucht. Das Ergebnis fällt zunächst ernüchternd aus.

Befunde

In einer Auswertung von 2.709 Antworten auf aktuelle Nachrichtenfragen aus 18 Ländern und 14 Sprachen zeigte sich:

  • 45 % aller KI-Antworten enthielten schwerwiegende Fehler.
  • Zählt man geringere Abweichungen hinzu, waren 81 % der Antworten nicht vollständig korrekt.
  • Größtes Problem: die Quellenarbeit. In etwa 31 % der Fälle wurden Quellen falsch zugeordnet, falsch paraphrasiert oder schlicht erfunden.
  • Besonders problematisch schnitt Gemini ab: 72 % schwere Sourcing-Fehler.

Der Befund ist eindeutig: KI-Assistenten sind 2025 im ungeführten Alltagsgebrauch keine verlässlichen Nachrichteninstrumente.

Woher die Fehler?

KI-Modelle werden dafür optimiert, plausible Antworten zu geben - nicht notwendigerweise wahre. Sie werden im Training belohnt, wenn sie vollständig, verbindlich und flüssig formulieren. Sie werden nicht belohnt, wenn sie sagen:

"Ich weiß es nicht."

Daraus entsteht das, was man heute als overconfidence bezeichnet: die selbstsichere Vortragsformel, die nicht durch belastbare Quellen gedeckt ist.

Auf den Nutzer kommt es an

Hier beginnt die zentrale Frage: Sind diese Fehler systembedingt unvermeidlich - oder hängt die Verlässlichkeit von der Art ab, wie wir KI nutzen?

Die eigene Praxis - gestützt durch viele Beispiele - zeigt:

Mit strukturierter, evidenzorientierter Anleitung steigt die Richtigkeit von KI-Antworten deutlich.

Wer die KI zwingt, sauber zu arbeiten, bekommt bessere Ergebnisse. Hilfreich sind sogenannte Master-Kontexte: wiederkehrende, standardisierte Prompt-Gerüste, die verpflichten zu

  • Belegen vor Behaupten
  • exakten Fundstellen (Link + Zitat + Abschnitt)
  • markierter Unsicherheit statt rhetorischer Glätte

Und entscheidend:

Die vorgeschlagenen Quellen werden vom Nutzer nochmals selbst geprüft. Geht man so vor, sinken die Fehlerquoten massiv. Aber das erfordert:

  • Zeit,
  • methodische Disziplin,
  • kritische Haltung des Nutzers.

Für spontanen Alltagsgebrauch ist das nicht immer realistisch.

Doch genau diese Einsicht macht den Unterschied: Die 45 % Fehlerquote beschreibt die Welt ohne Anleitung. Sie beschreibt nicht das Potenzial kompetent geführter KI-Nutzung.

Ein notwendiger Einspruch - gegen vorschnelle Verbote

Gerade im Bildungsbereich besteht die Tendenz, aus solchen Studien einen einfachen Schluss zu ziehen:

"Das bestätigt, was wir immer gesagt haben: KI ist unzuverlässig, gefährlich und gehört deshalb weg vom Unterricht." Diese Haltung ist verständlich - aber sie ist falsch.

Denn sie verwechselt Technologie mit Handhabung.

Wer heute KI im Unterricht verbietet, erzeugt keinen Schutz,

sondern nur eines: Er überlässt die Schülerinnen und Schüler der unkritischen, ungesteuerten Nutzung außerhalb der Schule. Schulen haben nicht die Aufgabe, Risiken zu vermeiden, sondern den Umgang mit ihnen kompetent zu machen.

Deshalb gilt:

  • Nicht: "Wir lassen KI weg."
  • Sondern: "Wir lehren, wie man KI korrekt prüft, belegt und hinterfragt."

Und das ist eine Bildungsaufgabe, keine technische.

Was jetzt notwendig wäre

  • Die Systeme müssen lernen, "Ich weiß es nicht" zu sagen. Verlässlichkeit entsteht durch die Möglichkeit zur Antwortverweigerung bei Unsicherheit.
  • Plattformen müssen Belege erzwingen. Statt "Quelle: Wikipedia" braucht es: Link → Zitat → Abschnitt → Kontext.
  • Systeme müssen auch in den kostenfreien und -günstigen Angebote Modi enthalten, die Recherchen mit höherer Zuverlässigkeit durch entsprechende Algorithmen ermöglichen und zeitraubend aufwändiges Prompten ersetzen.
  • Schulen und Medien müssen Lernräume öffnen. Nicht Verbot, sondern kritische Nutzung als Kompetenzziel.

Wir stehen weniger vor einem Problem technischer Unreife,

sondern vor einer Frage der Kulturtechnik:

  • Wie erkennen wir Wahrheit?
  • Wie gehen wir mit Ungewissheit um?
  • Und wie formulieren wir bessere Fragen?

KI wird verlässlicher werden. Aber nur, wenn wir lernen, sie richtig zu benutzen. Die Zukunft gehört nicht der Maschine.

Sie gehört denen, die sie verstehen, führen und kritisch nutzen können.

Text: Volker Wacker, unter Mitwirkung von ChatGPT (GPT-5, OpenAI).

Der Text basiert auf Recherchen, Notizen und Analysen von Volker Wacker. ChatGPT Plus unterstützte den Prozess auf Grundlage präzise kuratierter Prompts. Inhaltliche Verantwortung: Volker Wacker.

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