Schulpraxis · 30. Juli 2026

Vertretungsunterricht mit KI

Von Volker Wacker

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Wenn aus Improvisation doch Unterricht wird

Abbildung 1 zum Beitrag "Vertretungsunterricht mit KI"

Wenn aus Improvisation doch Unterricht wird

Vertretungsunterricht gehört zu den stillen Zumutungen des Schulalltags. Man erfährt morgens, dass man in der dritten Stunde eine Klasse übernehmen soll. Fachfremd vielleicht, aber immerhin fachaffin. Keine Zeit für lange Vorbereitung, keine Zeit für Bildungsplanlektüre, keine Zeit für Schulbuchanalyse. Und trotzdem soll die Stunde nicht nur "Beschäftigung" sein, sondern möglichst sinnvoll an den bisherigen Unterricht anschließen.

Genau hier zeigt sich ein sehr konkreter Nutzen von KI im Schulalltag. Nicht als Ersatz für pädagogisches Urteil, nicht als Zaubermaschine, die guten Unterricht garantiert, sondern als schneller didaktischer Assistent unter Zeitdruck.

Der Ablauf ist erstaunlich einfach. Aus dem digitalen Klassenbuch übernimmt man die bisherigen Stundenthemen per Copy and Paste - selbstverständlich ohne Schülerdaten, ohne Abwesenheiten, ohne personenbezogene Informationen. Dazu gibt man Klasse, Alter, Schulart, Fach, Niveau und Zeitumfang an. Dann folgt ein kurzer mündlicher Prompt: "Erstelle mir passend zum Bildungsplan und zu den bisherigen Stunden eine logische Folgestunde. Ich habe keine Zeit für eine lange Vorbereitung. Bitte mit Phasen, Material, Arbeitsauftrag, Ergebnissicherung und Erwartungshorizont."

Das Ergebnis ist in vielen Fällen erstaunlich brauchbar. Die KI erkennt häufig die bisherige Lernlinie: so zum Beispiel- wie Selbstest - in Sozial- und Wirtschaftskunde der Mittelstufe. Die KI, also ChatGPT, oder einfache "Chat", schlägt eine Leitfrage vor, formuliert Arbeitsaufträge, baut Partnerphasen ein, liefert kurze Fallbeispiele und eine Ergebnissicherung für das Heft. Damit ist keine perfekte Unterrichtsstunde entstanden. Aber es liegt ein tragfähiges Gerüst vor, das eine Lehrkraft in wenigen Minuten prüfen, kürzen, verschieben oder spontan anpassen kann.

Entscheidend ist: Das funktioniert besonders dann, wenn die Lehrkraft fachaffin ist. Ein Historiker kann eine Gemeinschaftskundestunde leichter verantworten als eine Stunde in Chemie. Auf dem Niveau der Sekundarstufe I kann KI hier eine durchaus echte Entlastung sein, weil sie aus verstreuten Informationen eine plausible didaktische Struktur macht.

Natürlich ersetzt das nicht die Materialien, die eine Fachlehrkraft hinterlegt hat. Im Gegenteil: Wenn Arbeitsblätter, Schulbuchseiten oder Aufgaben vorhanden sind, können sie die Grundlage bilden. KI kann dann helfen, daraus rasch einen Stundenverlauf, Differenzierungsfragen oder eine Sicherung zu entwickeln.

Der Selbstversuch zeigt: Für spontane Vertretungsstunden ist KI kein Wundermittel, aber ein sehr praktisches Werkzeug. Sie spart Zeit, ordnet Stoff, formuliert brauchbare Aufgaben und verhindert, dass Vertretungsunterricht bloß zur Lückenfüllung wird.

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