Eine Zelle als Schnittzeichnung, ein historischer Beruf als Lernkarte, ein Zusammenhang als Infografik: Kurze Gestaltungsbegriffe können die Vorbereitung von Unterrichtsmaterial erleichtern. Sie sind allerdings keine Geheimcodes. Ihr Nutzen entsteht, wenn Lehrkräfte eine passende Darstellungsform mit einem klaren Lernziel verbinden.
“Erstelle ein Bild einer Zelle.” Der Auftrag ist schnell geschrieben. Für den Unterricht lässt er jedoch fast alles offen. Soll das Bild einen ersten Eindruck vermitteln, Bestandteile benennen oder den Vergleich zwischen tierischer und pflanzlicher Zelle ermöglichen? Braucht die Klasse eine anschauliche Illustration oder eine vereinfachte Zeichnung, die sie selbst beschriften kann?
Wer ChatGPT nur ein Thema nennt, überlässt dem System viele dieser Entscheidungen. Wer zusätzlich eine Darstellungsform und einen Lernzweck vorgibt, grenzt den Auftrag ein. Aus dem allgemeinen Wunsch nach einem Zellbild wird beispielsweise eine Schnittzeichnung mit drei Beschriftungen für eine siebte Klasse.
Dafür muss man weder programmieren noch ein Grafikprogramm beherrschen. Man muss aber erklären können, was das Material leisten soll.
Was die kurzen Begriffe tatsächlich bewirken
ChatGPT kann Bilder anhand sprachlicher Anweisungen erzeugen und vorhandene Bilder bearbeiten. Die Anweisung heißt “Prompt” und wird in das Eingabefeld geschrieben. Soll ein bestehendes Bild verändert werden, wird es als Anhang hinzugefügt. Ob die Bildfunktion verfügbar ist und welche Nutzungsgrenzen gelten, hängt vom jeweiligen Zugang ab. OpenAI erläutert das Vorgehen in seiner Anleitung zur Bilderzeugung.
Begriffe wie “Cutaway”, “Infographic” oder “Trading card” benennen bekannte Darstellungsweisen und Formate. Sie bündeln gestalterische Vorstellungen: eine aufgeschnittene Ansicht, eine geordnete Informationsgrafik oder eine kompakte Sammelkarte. ChatGPT interpretiert diese Wörter als Teil des Auftrags.
Damit sind sie keine fest programmierten Spezialbefehle mit garantiertem Ergebnis. Auch Englisch ist keine Voraussetzung. “Erstelle eine Schnittzeichnung” beschreibt denselben Gestaltungswunsch wie “Cutaway”. Die kurzen englischen Bezeichnungen können als Merkhilfen dienen; wichtiger ist die anschließende Präzisierung. Auch die offiziellen Hinweise zum Formulieren von Bildaufträgen setzen auf konkrete Beschreibungen statt auf besondere Syntax.
Für die Unterrichtsvorbereitung lohnt sich eine Unterscheidung:
Kategorie
Beispiele
Was damit festgelegt wird
Bearbeitung
“Remove” - entfernen; “Blur” - weichzeichnen
Was an einem vorhandenen Bild verändert werden soll
Darstellungsweise
“Cutaway” - Schnittzeichnung; “Hand-drawn” - handgezeichnet wirkend
Wie ein Gegenstand dargestellt wird
Gestaltungsformat
“Infographic” - Infografik; “Trading card” - Sammelkarte
In welcher Form Inhalte angeordnet werden
Eine Schnittzeichnung kann etwas Inneres sichtbar machen. Eine Lernkarte begrenzt und ordnet Informationen. Eine Handschriftoptik verändert dagegen zunächst nur das Aussehen. Sie wird erst durch einen geeigneten Arbeitsauftrag didaktisch interessant.
“Effekte+”: eine Auswahlhilfe statt einer Befehlsliste
Niemand muss sich dafür einen Katalog englischer Begriffe merken. Man kann ChatGPT zunächst bitten, geeignete Gestaltungen vorzuschlagen. Genau dafür verwenden wir hier das Kürzel “Effekte+”.
Es bezeichnet keine eingebaute Funktion. Wir vereinbaren vielmehr eine wiederkehrende Aufgabe und geben ihr einen kurzen Namen. Die folgende Anweisung lässt sich in einen neuen Chat kopieren:
Wenn ich “Effekte+” schreibe, schlage mir drei unterschiedliche Gestaltungen für Unterrichtsmaterial vor. Nutze das Thema unseres Gesprächs oder die Angaben, die ich ergänze. Berücksichtige Fach, Klassenstufe, Sprache und Lernziel. Nenne zu jedem Vorschlag den Namen, einen kurzen Gestaltungsbegriff, seine Bedeutung, den didaktischen Nutzen und einen kopierbaren Beispielprompt. Erkläre englische Begriffe auf Deutsch. Wähle unterschiedliche, zum Lernziel passende Formen; erzwinge keine Abwechslung ohne Nutzen. Erstelle zunächst nur Vorschläge als Text, noch keine Bilder. Fehlt ein erkennbares Thema, frage danach.
Danach genügt beispielsweise:
Effekte+ tierische Zelle, Klasse 7. Die Schüler sollen Zellmembran, Zellplasma und Zellkern erkennen und benennen.
Die Vereinbarung spart wiederholte Erklärungen. In einem neuen Chat sollte sie erneut eingefügt werden, sofern sie dort nicht bereits als Anweisung verfügbar ist. Das Pluszeichen selbst speichert keine Funktion.
Ein Thema, drei Möglichkeiten
Für das Zellbeispiel könnten die Vorschläge folgendermaßen aussehen. Es handelt sich um eine beispielhafte Auswahl, nicht um das Protokoll eines durchgeführten Bildtests.
1. Schnittzeichnung - “Cutaway”
Die Zelle wird so dargestellt, als wäre sie teilweise geöffnet. Ihre Begrenzung und die inneren Bestandteile lassen sich gemeinsam zeigen. Diese Form passt zur ersten Orientierung: Wo liegen die Strukturen, und wie heißen sie?
Beispielprompt:
Erstelle eine vereinfachte Schnittzeichnung einer tierischen Zelle für Klasse 7. Beschrifte Zellmembran, Zellplasma und Zellkern. Verwende große deutsche Druckschrift und einen weißen Hintergrund.
2. Lernkarte - “Trading card”
Die Karte verbindet eine kleine Illustration mit wenigen Angaben in fester Anordnung. Sie bietet sich für die Wiederholung an. Später könnte eine entsprechende Karte zur pflanzlichen Zelle den Vergleich unterstützen.
Beispielprompt:
Gestalte eine übersichtliche Lernkarte zur tierischen Zelle für Klasse 7. Zeige eine einfache Illustration mit den Beschriftungen Zellmembran, Zellplasma und Zellkern. Ergänze keine weiteren Fachbegriffe. Verwende einen hellen Hintergrund und gut lesbare Schrift.
3. Handschriftlich wirkendes Lernbild - “Hand-drawn educational illustration”
Diese Gestaltung soll an eine sorgfältige Zeichnung im Heft erinnern. Sie kann als Vorlage für eine eigene vereinfachte Skizze dienen. Entscheidend ist dabei nicht, dass das Bild handgemacht aussieht, sondern dass sich seine Struktur nachvollziehen lässt.
Beispielprompt:
Erstelle ein handschriftlich wirkendes Lernbild einer tierischen Zelle für Klasse 7. Verwende klare Konturen und gut lesbare Beschriftungen für Zellmembran, Zellplasma und Zellkern. Verzichte auf dekorative Elemente und schwer lesbare Schreibschrift.
Die drei Varianten sind keine Rangliste. Ihre Eignung hängt davon ab, was im Unterricht geschehen soll. Für die erste Erarbeitung wählen wir hier die Schnittzeichnung, weil die räumliche Zuordnung im Mittelpunkt steht.
Vom Vorschlag zum fertigen Unterrichtsmaterial
Bislang hat ChatGPT nur Gestaltungsideen geliefert. Nun folgt der ausdrückliche Auftrag zur Bilderzeugung:
Erzeuge jetzt das Bild zu Vorschlag 1. Zeige eine vereinfachte Schnittzeichnung einer tierischen Zelle für Klasse 7. Beschrifte ausschließlich “Zellmembran”, “Zellplasma” und “Zellkern”. Die Beschriftungslinien müssen eindeutig auf die jeweiligen Strukturen zeigen. Verwende einen weißen Hintergrund, starke Kontraste und große Druckschrift. Die Strukturen sollen auch ohne Farben unterscheidbar sein. Zeige keine Zellwand und keine Chloroplasten. Ergänze klein: “Vereinfachtes Modell”. Verzichte auf dekorative Elemente.
Der Auftrag enthält keine fehlenden Anhänge und kann unmittelbar ausprobiert werden. Die Beschränkung auf drei Bestandteile dient diesem Lernziel; sie ist keine vollständige Darstellung einer tierischen Zelle.
Das erzeugte Bild bleibt zunächst ein Entwurf. Die Lehrkraft prüft, ob die Begriffe stimmen, die Linien richtig zugeordnet sind und die Vereinfachung keine falschen Vorstellungen nahelegt. Hinzu kommt ein praktischer Test: Sind die Beschriftungen in der vorgesehenen Druckgröße oder am Beamer lesbar?
Eine Überarbeitung sollte möglichst konkret ausfallen:
Vergrößere die drei Beschriftungen und verstärke ihre Linien. Behalte die Begriffe und die grundlegende Anordnung bei. Füge keine weiteren Strukturen hinzu.
Auch danach muss das ganze Bild erneut geprüft werden. Der Auftrag, nur einen Teil zu verändern, garantiert nicht, dass alles andere unverändert bleibt. OpenAI nennt weiterhin Grenzen bei Textdarstellung, Konsistenz und präziser Bildanordnung.
Nach der Prüfung lässt sich das Bild speichern und in ein Arbeitsblatt oder eine Präsentation einfügen. Dabei gilt: Eine JPG-Datei ist keine Vorlage mit einzeln bearbeitbaren Textfeldern. Wer Beschriftungen später häufig verändern möchte, kann die Illustration ohne Text erzeugen lassen und die Begriffe anschließend im Präsentations- oder Textverarbeitungsprogramm ergänzen.
Für das Zellbild könnte der Schülerauftrag lauten:
Betrachtet die Zeichnung und ordnet die drei Begriffe den Strukturen zu. Deckt anschließend die Beschriftungen ab und benennt die Bestandteile. Fertigt danach eine eigene einfache Skizze an und beschriftet sie aus dem Gedächtnis. Vergleicht eure Lösung mit der geprüften Vorlage.
Damit erhält das Bild eine Aufgabe im Lernprozess. Die Schüler müssen ChatGPT dafür weder selbst bedienen noch ein eigenes Konto verwenden.
Nicht jede Gestaltung passt zu jedem Inhalt
Das Verfahren lässt sich auf andere Fächer übertragen. Eine Lernkarte kann einen historischen Beruf vorstellen, eine Infografik einen Zusammenhang ordnen, eine Bildfolge das Erzählen in einer Fremdsprache unterstützen. Die Auswahl sollte jedoch vom Inhalt ausgehen, nicht vom reizvollsten Effekt.
Ein Beispiel ist der “Timeline strip”, eine kompakte Ereignisfolge. Werden die Stationen in gleich großen Kästchen angeordnet, sollte sie ausdrücklich als nicht maßstäblich gekennzeichnet sein. Für eine exakte Zeitachse braucht es dagegen kontrollierte Abstände. Der Wunsch nach einer präzisen Grafik ist noch kein Nachweis ihrer Präzision.
Ähnlich verhält es sich mit einer geteilten Darstellung zweier Perspektiven, hier “Perspective split” genannt. Sie kann Unterschiede verdeutlichen, darf aber nicht den Eindruck erwecken, ein Konflikt bestehe zwangsläufig aus genau zwei geschlossenen Lagern. Aussagen müssen aus geeigneten Materialien stammen; erfundene Zitate gehören nicht in die Sprechblasen historischer Figuren.
Für den Einstieg empfiehlt sich deshalb ein kleines Material zu einem vertrauten Thema. Eigene, geprüfte Stichpunkte reichen als Grundlage. Schülerfotos, Namen oder personenbezogene Arbeiten werden für diese Erprobung nicht benötigt. Eine kurze Bildbeschreibung bietet zudem einen zusätzlichen Zugang zum Inhalt.
Der wichtigste Prüfstein folgt nach der Gestaltung: Welche Leistung verlangt das Material von den Schülern? Sie können benennen, vergleichen, erklären oder eine Darstellung begründet korrigieren. Bleibt lediglich das Anschauen, muss die Lehrkraft entscheiden, ob genau das für diesen Unterrichtsmoment genügt.
Der Gestaltungsbegriff bestimmt, wie das Bild aussehen soll. Das Lernziel bestimmt, wofür es gebraucht wird.
Quellen und weiterführende Hinweise
- OpenAI (ohne Jahresangabe): Image generation. Anleitung zur Bilderzeugung und Bildbearbeitung in ChatGPT. Abgerufen am 23. September 2026.
- OpenAI (ohne Jahresangabe): Image prompting. Hinweise zu Bildaufträgen, Vorlagen und gezielten Änderungen. Abgerufen am 23. September 2026.
- OpenAI (ohne Jahresangabe): Image generation - Limitations. Technische Dokumentation zu Grenzen der Bildmodelle. Abgerufen am 23. September 2026.
Die Unterrichtsbeispiele und die Vereinbarung “Effekte+” sind eigene Arbeitsvorschläge. Sie sind keine offiziellen OpenAI-Befehle und wurden für diesen Beitrag nicht durch eine praktische Bilderzeugung getestet.


